Dieser Text basiert hauptsächlich auf dem der WBA-Kampagne

WIR WERDEN KOMMEN!!!

Selbstorganisierte Räume im Allgäu erkämpfen und (dann) verteidigen

Freiräume – Welche Räume und frei von was?

Selbstorganisierte Räume (Freiräume) sind nichtkommerzielle Räume, die erstmal für alle offenstehen, die sich mit einem emanzipatorischen Anspruch mit Ihrer Umwelt auseinandersetzen wollen. Freiräume sind allerdings nicht nur Räume im häuslichen Sinn sondern auch Plätze, Straßen und Freiflächen. Kurzum Räume die frei von Überwachung, Herrschaft, Konformitäts- und Konsumdruck sind, in denen sich jeder Mensch gemäß seines Wesens frei entfalten kann. Dieser Definitionsversuch ist allerdings sehr subjektiv und muss von allen Interessierten je nach Bedürfnislage neu diskutiert und erweitert werden.

Warum diese Kampagne?

Genau solche Räume sind es, die im Allgäu nicht vorhanden sind. Wir möchten aber zusammen leben, feiern und arbeiten ohne all die Mechanismen, Strukturen und Verhaltensweisen, die uns tagtäglich in all' unseren Lebensbereichen einschränken und bedrücken.
Die Kampagne entstand aus dem Bedürfnis sich zu organisieren und sich zusammenzuschließen um den vorherrschenden Gegebenheiten und Entwicklungen effektiv etwas entgegensetzen zu können. Dabei sollen Otto-Normal-Mieter_innen von nebenan genauso angesprochen werden wie politische Gruppen oder Bürgerinitiativen. Aufgrund der Intention eine sehr offene Kampagne zu starten ist eine Struktur entstanden, die im folgenden kurz vorgestellt werden soll.

Struktur der Kampagne

Jeden Monat am 18. findet eine Vollversammlung (VV) statt, zu der alle herzlichst eingeladen sind, die zu dem Thema arbeiten wollen oder sich einfach informieren möchten. Sie ist neben der Internetseite (Wiki, an dessen Gestaltung sich alle interessierten unkompliziert beteiligen können), die Kommunikationsplattform auf der Probleme diskutiert und gelöst werden oder Vorhaben koordiniert. Sie ist also im Wesen die Plattform für den Austausch von Informationen. Es gibt auf der VV keine_n Vorsitzende_n oder Hauptverantwortliche_n. Alle Menschen die sich dort treffen sind erstmal gleich verschieden und niemensch sollte wichtiger sein als der_die andere.

Ein solidarisches Miteinander und Solidarität mit bedrohten Projekten stellen die Basis für die Kampagne dar. Die Kampagne versteht sich als emanzipatorischer Zusammenhang, damit schließen wir eine Zusammenarbeit mit Rassist_innen, Sexist_innen ?(*), Faschist_innen und anderen Idiot_innen aus. Die Kampagne lebt und stirbt mit der Bereitschaft der Menschen sich einzubringen, was bedeutet dass jede_r einzelne gefragt ist sich dort zu verwirklichen. ArbeitsGruppen (AGs) (und jede andere), die sich gefunden haben und sich mit den Eckpunkten identifizieren können, können völlig unabhängig von der VV unter dem „Logo“ der Kampagne arbeiten. Dieser „Do it Yourself“ (DIY) – Charakter ist wesentlicher Bestandteil der Kampagne und soll sie leicht zugänglich machen für alle Interessierten, Organisierten, Einzelpersonen etc.. Die Zusammenarbeit mit hierarchisch strukturieren Gruppen lehnen wir ab.

Unterschiedliche Aktionsformen sind erwünscht und können sich ergänzen. Sie ermöglichen, dass sich dort ein breites Spektrum an Menschen wieder finden kann. Zwischen den einzelnen Aktionsformen dürfen keine Hierarchien entstehen. Aktionsberichte können im Namen der Kampagne veröffentlicht werden. Es gibt keine öffentliche Distanzierung von Aktionsformen. Bei Kritik wird diese auf der VV angesprochen und diskutiert. Die VV kann sich anschließend dazu äußern.

Diskussionen und Anregungen zur Kampagne finden auf der VV, im Wiki und überall dort, wo Menschen zusammen kommen und über unsere Ideen sprechen, statt.

Ziele:

  • Den Erhalt, Ausbau und das Erkämpfen neuer selbstorganisierter Räume!
  • Motivation und aktive Einbindung aller interessierten Menschen, auch die, die bisher nicht organisiert sind – von Einzelpersonen bis zu Kneipenstammtischen, Crews und Sportgruppen!
  • Bündelung sämtlicher Kräfte, um Vereinzelung entgegen zu treten und Solidarität zu erleichtern!
  • Wir als Teil der WBA-Kampagne teilen natürlich auch folgendes Ziel mit ihr: Funktionierende Unterstützungssysteme für bedrohte und neue Projekte – Wir wollen lokal beginnen, dann bundesweit agieren, auf internationale Solidarität aufbauen, diese unterstützen und letztendlich in die Gesellschaft intervenieren!
  • Mit der Idee von Freiräumen und alternativem Leben die Gesellschaft erreichen und diese als Gegenmodell zu den herrschenden Verhältnissen etablieren!
  • Langfristige Handlungs- und Aktionsfähigkeiten entwickeln!
  • Natürlich einen aktiven Kampf um und für die Projekte auf allen Ebenen mit vielfältigen Mitteln!
  • ?"Gentrification" (Stadtumstrukturierung/-aufwertung) auf die Tagesordnung setzen und diese kreativ bekämpfen!

Wenn ihr euch mit Zielen identifiziert und Ideen habt euch einzubringen, beteiligt euch im Wiki, kommt zur VV, oder startet einfach eure Aktionen unter dem Logo der Kampagne!

Warum uns das Bestehende nicht reicht

Auf die Frage, warum wir uns nicht mit bestehenden Räumen zufrieden geben wollen antwortete eine Mitstreiterin/ein Mitstreiter folgendes:

Was dieses Projekt - oder zumindest das, was ich mir drunter vorstell - von linken Treffpunkten oder Kneipen unterscheidet, ist der Anspruch eine „Keimform“ für eine solidarische, befreite Gesellschaft sein zu wollen, also der Anspruch, einen emanzipatorischen Entwicklungsprozess zu begünstigen und Teil eines - auf lange Sicht hoffentlich systemtransformierenden - Wandels zu sein. Um mit so einem Projekt konkret einen emanzipatorischen, revolutionären Prozess zu unterstützen, fallen mir als zentrale und wichtige Möglichkeiten ein:

  1. Politische Bildungsarbeit und Diskussion: Hier würde ich zwei Aspekte unterscheiden. Zum einen wird es die Menschheit nicht viel weiterbringen, wenn Ideen und Vorschläge, wie Zusammenleben irgendwie viel besser gestaltet werden könnte, nur in einem gesellschaftlich marginalisiertem Teil, nämlich der „radikalen Linken“, ausgetüftelt und diskutiert werden... unbemerkt von der Öffentlichkeit. Was also in meinen Augen wichtiges Moment politischer Agitation ist, ist der Versuch breiten Teilen der Bevölkerung die systemimmanenten Unsinnigkeiten und Probleme auch als solche erkennbar zu machen und damit eine Perspektive zu motivieren, das alles zu überwinden. Um sowas überhaupt zu machen oder besser zu machen halt ich ein Hausprojekt oder ähnliches als Backgroundstruktur für sinnvoll. Der zweite wichtige Punkt ist, selbst genügend Kompetenz für derartige Aufklärung zu erwerben und generell sich selbst weiterzubilden und auch eigene Analysen und Ideen kritisch zu reflektieren. Generell würde ich mir viele politische Veranstaltungen wünschen, sei es ein kleines Treffen von drei Leuten die einen Text diskutieren wollen, sei es ein Seminar einer auswärtigen Gruppe (Junge Linke, ums Ganze, …) oder was auch immer.

  2. Selbstorganisation erlernen und anwenden: Zur Begriffsklärung greif ich auf die Formulierung eines Freundes zurück: „Mit dem Begriff Selbstorganisation verbinden heute viele die Bedeutung, die der Begriff durch die Systemtheorie und in der Betriebswirtschaft erhalten hat. Selbstorganisation kann aber auch soziale Prozesse beschreiben, in denen Menschen Projekte oder Prozesse jenseits von hierarchischen Befehls- und Kontrollstrukturen organisieren. Um diese Form von Selbstorganisation geht es hier. Es gibt in der Geschichte und im täglichen Leben zahlreiche Beispiele für selbstorganisierte Prozesse. Selbstorganisierung meint den schrittweisen Ausstieg aus kapitalistischer Reproduktion, d.h. den Abbau der Zwänge der Verwertungslogik und den Aufbau praktikabler "Alternativen im Alltag". Die Grundfrage lautet nicht, woher das Geld kommt, sondern wie es auch ohne geht und dennoch ein gutes Auskommen für die einzelnen ermöglicht wird, ohne dass der Schritt zur Selbstorganisation ein Schritt zurück in die Steinzeit ist. Selbstorganisation bedeutet auch, Entscheidungen unter der Teilnahme und im Konsens aller direkt und indirekt davon betroffenen zu treffen.“ Exemplarisches Vorleben von z.B. gemeinschaftlicher Nutzung von Ressourcen und solidarischem Miteinander kann dabei eine Vorbildfunktion erfüllen. Konkret würde ich sagen, da fallen zum Beispiel so Sachen darunter wie das Betreiben einer gemeinsamen Werkstatt, gemeinschaftlich genutzte Computerräume, VoKü (vielleicht auch mal containern), Nachhilfeangebote usw., wobei eben überall Menschen einfach so kommen können wenn sie Hilfe oder die entsprechende Infrastruktur brauchen. (weitere Ideen?) --> ist halt nicht einfach das irgendwie selbsttragend und unkommerziell zu gestalten im Rahmen des Kapitalismus und erfordert viel Zeit und Engagement von vielen Leuten.

  3. Plattform für Vernetzung und Plena politischer Gruppen: Ist immer gut :-)

  4. To be continued… d.i.y.