Wir dokumentieren eine Nachbereitung, die auf de. und linksunten.indymedia.org erschien.

no nation!

Vom 18. bis 21. August 2011 fand zum 2. Mal das »Sommer, Sonne, Subversiv« Festival der »Wir werden kommen« Kampagne im Allgäu statt. Auf dem Festival sollten auf dem selbstverwalteten Camp mit KüfA mehre Vorträge und Workshops zu unterschiedlichen Themen stattfinden.

Wir müssen zugeben, dass die Transparenz über die Vorträge und Workshops im Vorfeld nicht wirklich vorhanden war. So stand am 1. Veranstaltungstag immernoch kein Zeitplan für Vorträge usw. fest. Einige der Referent_innen meldeten sich diesbezüglich nicht bei den Organisator_innen, hatten kurzfristig abgesagt oder ihre Vorträge auf Grund der stressigen Vorbereitungen für das Festival nicht fertigstellen können. Eine Person hat sich entschlossen, ihren Vortrag über »Straight Edge« auf Grund des primitiven, pöbelnden, vor die KüfA kotzenden Publikums nicht zu halten, was in diesem Fall für alle Beteiligten verständlich war. Der Stress am Samstag (siehe unten) führte dazu, dass die für Sonntag geplanten Veranstaltungen komplett ausfielen. Letztendlich fanden bedauerlicherweise nur 4 der geplanten Workshops und Vorträge statt. EInige werden sicherlich im nächsten Jahr nachgeholt.

Kippe aus!

Freitag und Samstag wurde den Besucher_innen abends musikalische Unterhaltung von HipHop bis Punkrock zu einem möglichst geringen EIntrittspreis im benachbarten Gasthof »Schwarzer Adler« geboten. Auch hier war der planmäßige Ablauf der Konzerte durch kurzfristige Absagen und einem Missverständnis zwischen Mischer und Orga am Samstag nicht gerade reibungslos. Insgesamt konnten 3 der geplanten Bands nicht auftreten.
Da die Erfahrung zeigt, dass es verhältnismäßig nur sehr wenige Menschen in der Provinz gibt, die sich für politische Bildung und Selbstorganisierung im Alltag interessieren war es nicht überraschend, dass die erwarteten Besucher_innen überwiegend wegen der angekündigten Konzerte erschienen. Wobei die Zahl der Konzertbesuher_innen im Gegensatz zum letztjährigen »Sommer, Sonne, Subversiv« Festival erschreckend gering war und die Veranstalter_innen Gefahr liefen, auf einem Berg Schulden sitzen zu bleiben. Dass letztendlich doch alle Kosten gedeckt werden konnten ist wohl einigen Bands zu verdanken, von denen teilweise großzuügige Spenden kamen und von denen auch teilweise auf die Erstattung der Fahrtkosten verzichtet wurde. Anbei konnten 11 volle Kisten Bandgetränke und eine riesige Menge Pfand zurückgegeben werden.

fuck off!

Die KüfA bekam großes Lob, die Spenden für die Verpflegung fielen im Gegensatz dazu allerdings sehr mager aus. Gespendet wurde erst, nachdem eine Band und ein weiteres Plakat darauf aufmerksam machten, dass die Kosten für die KüfA mit 15€ in der Spendenkasse und mindestens 50 hungrigen Mäulern nicht gedeckt werden können.
Was die Versorgung mit Nahrungsmitteln betrifft kann behauptet werden, dass die naheliegende Stadt Memmingen ein regelrechtes Containerparadies ist. Brot war im Überfluss vorhanden, über die Auswahl an Gemüse konnte auch nicht gemeckert werden und ein intaktes Schlauchboot, das zum Minipool umfunktioniert wurde bescherte uns zwischenzeitliche Abkühlung. Gekauft werden mussten ausschließlich Grundlagen wie Reis, Nudeln, Öl, Sojamilch und Gewürze.
Insgesamt war das Camp mit einem großen Vortragszelt, einem KüfA-Pavillion, Spülstraße, fließendem Wasser, Strom, Musikanlage und 2 weiteren großen Zelten für Menschen ohne Pennplatz gut ausgestattet.
Motivation und Eigeninitiative der Organisator_innen waren während des Festivals wesentlich ausgiebiger als im letzten Jahr. Trotzdem blieb der Großteil der zu erledigenden Aufgaben im Vorfeld wieder an einigen wenigen hängen. Vieles wurde nur auf die explizite Bitte von Anderen hin erledigt. Insgesamt ließ die Selbstorganisierung der Teilnehmer_innen sehr zu wünschen übrig. Einige Personen benutzten lieber dreckiges Geschirr als einfach mal ein paar Teller abzuspülen.

Kein Bock auf Kackvrhalten

Am Samstag gab es massiven Stress, ausgelöst von zwei Oi-Skins, die durch permanentes sexistisches Verhalten und dementsprechende Kommentare auffielen. Einer der beiden erregte zusätzlich Aufmerksamkeit durch sein Krawallbrüder-Shirt (Grauzoneband). Nachdem ein Eingreifen einiger Veranstalter_innen die beiden Störer in ihrem Verhalten nur noch bestärkte und diverse homophobe und sexistische Beleidigungen fielen und sogar Lanzer-Parolen geäußert wurden, blieb als letzte Lösung des Problems nur der Rauswurf der Beiden. Dieser wurde durch den Verantwortlichen des »Schwarzen Adlers« mit der Drohung »hier wird niemand wegen sexistischem Verhalten rausgeworfen, sonst zieh ich euch den Stecker« verhindert.
Am späten Abend kam es während eines Konzerts schließlich zu einer Massenschlägerei, die von einem der »Krawallbrüder« durch einen gezielten Faustschlag gegen eine_n Veralstalter_in aus dem Pogo heraus ausgelöst wurde.
Auf dem Parkplatz des »Schwarzen Adlers« folgten weitere gegenseitige Provokationen, Beleidigungen und Diskussionen zwischen den beiden sich bis dahin gebildeten Fronten. Erschreckend war, wie viele Punks sich mit den »unpolitischen« Störern solidarisierten und sich offen gegen Antifaschismus aussprachen.
Nach einer kurzzeitigen Beruhigung der angespannten Situation kam es in einer Rangelei auf dem Camp zu einer Pfefferspray-Attacke gegen Unterstüzer_innen der »Krawallbrüder«. Der/Die Pfeffersprayer_in konnte den aufgebrachten Verfolger_innen unter Glasflaschenbeschuss und massiven Drohungen wie »Ich bring die scheiß Schwuchtel um!« entkommen.
Kurze Zeit später traf die Polizei am Festivalgelände ein und versuchte die Personalien aller Festival-Teilnehmer_innen aufzunehmen. Gegen den/die Pfeffersprayer_in wrude voon den Verletzten Anzeige erstattet. Einer_r der Hauptverletzten durch das Pfefferspray wurde ins Krankenhaus gebracht, dieser erlitt keine Folgeschäden durch das Pfefferspray. Nachdem sich allmählich alle Beteiligten beruhigt hatten und eine_r der Verletzten aus dem Krankenhaus zurückkehrte wurde das Festival von den Veranstalter_innen für beendet erklärt.
So wurde das Camp bereits am eigentlich letzten Veranstaltungstag abgebaut und die restlichen Vorträge und Workshops wurden abgesagt. Diese wurden teilweise einige Tage später im kleineren Kreis nachgeholt.

Die Organisator_innen und Unterstützer_innen lassen sich vom insgesamt negativen Verlauf des vergangen Festivals keinesfalls entmutigen und werden die Dauer des »Sommer, Sonne, Subversiv« Nummer 3 auf eine ganze Woche verlängern. Wir haben uns vorgenommen das Festival im Hinblick auf Vorträge und Workshops im Vorfeld möglichst transparent zu gestalten. Des weiteren wird das Festival ohne ignorante Nebenveranstalter_innen aufgezogen. Vorraussichtich werden Konzerte nächstes Mal direkt am Camp (bei Kempten) und unter freiem Himmel statt finden.
Natürlich ist jede_r herzlich willkommen, die/der mit ihrer/seiner Band auftreten möchte, Workshops oder Vorträge anbieten kann, sich für politische Bildung und Selbstorganisierung im Alltag interessiert oder sich einfach nur mal anschauen möchte, was es damit auf sich hat und wie das so alles laufen kann.

Insgesamt wünschen wir uns für's nächste »Sommer, Sonne, Subversiv« Festival mehr politisch, emanzipatorischen Anspruch - an die Teilnehmer_innen und den gesamten Verlauf des Festivals selbst - und mehr eigeninitiative aller solidarischen Organisatior_innen und Teilnehmer_innen, so dass sich die Aufgaben möglichst verteilen und dadurch keine_r mehr unnötigem Veranstaltungsstress und größeren Belastungen ausgesetzt wird.
Wer sich selbst als unpolitisch bezeichnet, sich somit jeglicher Verantwortung entziehen will und sich obendrein gegen Antifaschismus ausspricht hat hier nichts zu suchen! Sollten sich ein weiteres Mal Sexisten, Rassisten oder ähnliches Pack auf das »Sommer, Sonne, Subversiv« Festival verirren, wird gegen diese und der Verhalten weitaus konsequenter vorgegangen. Wer unter »Spaß« sexistische, rassistische oder ähnliche Witze reißen versteht ist auf diesem Festival definitiv fehl am Platz.

Anbei noch ein großes Dankeschön an alle Künstler_innen und alle anderen Unterstützer_innen des Festivals!

Für ein buntes Zusammenleben und mehr Selbstorganisierung auch im Alltag!
Für mehr Solidarität und gegenseitige Unterstützung im Kampf gegen Rassismus, Sexismus, Homophobie, Antisemitismus und jede andere Form von Diskriminierung und Unterdrückung!

Bis zum nächsten Mal. Wir freuen uns auf euer Kommen.

Einige Personen des Orga-Teams